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Karl Scheidegger-Thommen
(1895-1970)

Ganz wesentlichen Anteil am Zustandekommen und dem erfolgreichen Start der Basler Taxi-Zentrale hat Karl Scheidegger. Sein Lebenslauf beweist, dass man es auch in der Schweiz mit Fantasie, Willenskraft und Ausdauer zu etwas bringen kann. Der 1895 geborene Emmentaler wuchs als Verdingkind bei Bauern auf. Zu Beginn des ersten Weltkrieges im Sommer 1914 finden wir ihn als Dampfstrassenwalzen-Führer im Jura, wo er hilft, die von den vielen Pferdehufen der Armee aufgerissenen Naturstrassen in Stand zu halten. In der Rekrutenschule wird er zum Motorfahrer ausgebildet und dient als solcher bis zum Kriegsende beim Stadtkommando Basel. Anschliessend zieht er in die USA, wo er in Autoreparaturwerkstätten sein technisches Rüstzeug holt. 1923, zurückgekehrt in die Schweiz, arbeitet er zuerst bei den Gebrüdern Keller als Taxichauffeur. Danach wird er Teilhaber der Taxifirma "Auto-Garage Gass & Co." an der Nauenstrasse, bei der er bereits 1929 als kaufmännischer Leiter auftritt. Nachdem die übrigen Teilhaber - sie kamen alle ursprünglich von Soller - eigene Taxi-Betriebe gegründet haben, ist Scheidegger 1932 alleiniger Besitzer, tauft seine Firma aber erst 1939 auf den Namen "K. Scheidegger, Touring-Garage" um. Bereits 1933 hat er die Patrizier-Villa St. Albananlage 24 gekauft und deren Park zu einem hochmodernen Garagenbetrieb umgestaltet, wo er später die Marken Renault und DKW vertreibt. Während die traditionellen Taxi-Firmen ums Überleben kämpfen, verdient Scheidegger mit ihnen Geld. Bei Settelen und Keller versteht man zwar sehr viel von Pferden, aber eher wenig von Automobilen - im Gegensatz zum ausgewiesenen Fachmann Scheidegger. Als Praktiker weiss er, welcher Tagesumsatz mit einem Taxi an welchem Tag möglich ist und was die Kundschaft von Chauffeuren erwartet. Entsprechend drillt er seine Mannschaft.
Seine 1925 mit Klara Thommen (1901 - 1993) geschlossene Ehe bleibt kinderlos und die Ehefrau arbeitet im Betrieb mit. Reihum essen sie in den Basler Restaurants und zeigen sich grosszügig. Wirt und Servicepersonal vergessen nicht, wen sie bedient haben. Wenn ein Gast ein Taxi verlangt, bestellen sie logischerweise eines von Scheidegger. Es liegt dann am Chauffeur, mit seinem modernern Auto und anständiger Fahrweise sowie freundlicher Bedienung auf die Vorzüge seiner Firma aufmerksam zu machen. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges besitzt Scheidegger eine hochmoderne Flotte von siebenplätzigen Dodge- und Plymouth-Taxis [*] , die sich problemlos auf Ersatztreibstoffe umbauen lassen. Als es 1953 um die Festlegung des "Poolschlüssels" geht, wird die Vermutung bestätigt, dass Scheidegger in der Periode von 1948 bis 1952 mit der gleichen Anzahl von Fahrzeugen eine merklich höhere Betriebsleistung als die zukünftigen Partner erzielt hat. Im Vergleich zu Keller macht er pro Taxi ein Drittel mehr Umsatz. Bei der Gründung der Taxi-Zentrale wird Karl Scheidegger zum Betriebsleiter ernannt, später zum Delegierten des Verwaltungsrates der Taxi-Zentrale AG. Er verstirbt im November 1970 mitten aus der Arbeit.
 
* Plymouth und Dodge waren in den 1930er Jahren neben Chrysler, De Soto und Imperial Marken des US-Automobilkonzerns Chrysler.






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